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Pflegematerial

Pflege: Tatsächlich schlecht aufgestellt?

Das Thema Pflege wird schon aus rein demografischen Gründen immer dringlicher. Wie lässt sich die Betreuung pflegebedürftiger Menschen langfristig finanzieren und garantieren? Wie kann die Lastenverteilung Staat – Privat aussehen? Wie ist Österreich im Pflegebereich tatsächlich aufgestellt?

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180 Beiträge

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Forum

Rettung,

bocawe, 27.02. 18:11

Spitäler, und andere Einrichtungen kommen längst nicht mehr ohne preisgünstige Zivildiener aus. Irgend etwas ist faul im Staate Österreich, und das schon seit gut vierzig Jahren, oder noch länger.

Antworten

zwosi, 27.02. 19:58

Ein System, dass zu großen Teilen auf Zwangsarbeit aufgebaut ist, ist eine Schweinerei.

mhhhh,

dergrossenagus, 27.02. 01:33

schlecht nit, nur z'teuer, dass ma sich eben nur schlechte Pflege leisten kann...

Antworten

satiriker, 27.02. 11:26

wenn man das Pflegesystem sukzessive über Jahre hinweg finanziell ausgedünnt hat, darf man sich nicht wundern, oder?

"Schwarze NUll" in jeder Hinsicht ist schädlich für das Allgemeinwohl-, die Infrastruktur, Bildung, usw., oder?

nachteule, 27.02. 14:18

da fehlt jede menge österr. personal, weil der job sehr hart ist - dafür aber viel zu wenig bezahlt (wird ja überwiegend von frauen, also "minderwertigen arbeitskräften" geleistet ... )

die aus dem ausland angereisten pflegekräfte sind leider nur teilweise fachlich gut ausgebildet - aber die sind uns dafür ja teilweise schon ums kindergeld zu teuer ...

nachteule, 27.02. 14:22

die "pflegenden angehörigen" sind in der mehrheit frauen, die neben haushalt, mann und kindern auch noch die eltern und schwiegereltern betreuen / versorgen müssen - aber zumeist ohne jegliches entgelt ...

logopezi, 27.02. 14:22

@nacht
kindergeld ist kein gehalt, sondern als beitrag gedacht um die kinder entsprechend versorgen zu können. und das kostet in den Herkunftsländern eben weniger, es wäre also ungerecht ggü Österreichern, denen gleich viel kindergeld auszuzahlen.

logopezi, 27.02. 14:26

@nacht
falsch! nicht ohne jegliches entgelt, denn das Pflegegeld, das der zu betreuende bezieht, ist dazu da, sich pflege/betreuungsbedarf zu finanzieren. und dazu gehört eben auch die Person, die selbige arbeiten durchführt.
Deshalb: Anstellung selbiger durch das land/den kostenträger, und gegenverrechnung zumindest der versicherungskosten mit dem vom zu pflegenden bezogenen Pflegegeld.

nachteule, 27.02. 14:28

allerdings können österr. pflegekräfte in der regel nach den vereinbarten / geleisteten stunden (max. 24 in einem durch, dann gleichlange pause - soviel mir bekannt ist) nach hause gehen zu den kindern - wenn sie nicht überhaupt im gl. haushalt leben

bei den ausländ. 24-h pflegerinnen dauert ein einsatz aber 2 bis 3 wochen in einem durch - dafür müssen sie ihre kinder in der heimat versorgen lassen und das gibt es auch nur für bezahlung, in welcher form auch immer ...

logopezi, 27.02. 14:37

@nacht
wenn diese form der arbeit für sie nicht profitabel machbar ist, dann dürfen sie so einen Job nicht annehmen - dann arbeitens daheim statt in Österreich, gleich viel, aber halt für ein viertel des geldes - wenn überhaupt.

nachteule, 27.02. 14:37

die frage bei der "entschädigung" richtet sich leider nicht nach tatsächlicher leistung - egal ob österr. oder ausländerin
ich kenne fälle, wo einer 24-h pflegerin keine ausreichende nachtruhe genehmigt wurde, und das durchgehend für die gesamte einsatzzeit (nach einer woche hat sie verständlicherweise das handtuch geschmissen) - die bezeichnung wird von ganz klugen angehörigen bewusst falsch bzw. wörtlich genommen...
abgesehen davon, dass die ausländl. pflegerin zumeist auch als billige putzfrau von den angehörigen missbraucht wird

bei den inländerinnen - den "familienabgehörigen" - ist es nur teilweise besser, denn wer überprüft denn, ob die pflegende person das "ihr zustehende" entgeld auch tatsächlich erhält?

nachteule, 27.02. 14:39

genau das ist der punkt - wenn sie das geld brauchen, müssen sie alle schikanen in kauf nehmen - oder eben zu hause bleiben ...

logopezi, 27.02. 14:43

und ich kenn fälle, wo die 24stdpflege tägl. stdlang unauffindbar, weil am Handy, war, und wenn die angehörigen in der arbeit waren der großvater nicht mal was gscheites zum essen gekriegt hat (hat ihm einen apfel hingelegt, den er nicht mals elbst essen konnte), weil gnä frau zu faul/unfähig war, wenigstens etwas vorgekochtes aus dem Kühlschrank warm zu machen. und wenn man ihr gesagt hat, *wie* bestimmte betreuungshandlungen durchzuführen sind, hat sies verweigert, weil sie ist ja keine Krankenschwester (anm: es handelte sich um Hilfestellung beim toilettengang, keine hochqualifizierte pflegetätigkeit)
und welche schlüsse ziehen wir jetzt daraus?

logopezi, 27.02. 14:44

@nacht
es gibt bis auf ausnahmefälle *keinerlei* Schikanen - es wird lediglich gute arbeit für entsprechendes Geld verlangt.

nachteule, 27.02. 14:48

deinen ausführungen entnehme ich, dass du nicht zu der gruppe der "pflegenden" gehörst und deine "erfahrungswerte" nur von dritten gehört hast - oder sogar ein "pflegen lassender angehöriger" bist?

logopezi, 27.02. 14:56

nein, ich bin Therapeut, und als solcher täglich ganz direkt mit der arbeit von betreuenden angehörigen und 24std-betreuerinnen konfrontiert. und dabei sehe ich das ganze Spektrum von wirklich exzellenter Versorgung bis hin zu krimineller Fahrlässigkeit und Unfähigkeit, aber auch schlicht Überforderung, samt der folgen für den Patienten (schwere Komplikationen durch pflegefehler), die angehörigen (burnout, kaputte Bandscheiben etc etc) und das gesundheitssystem (Folgekosten von pflegefehlern).
das alles ließe sich durch entsprechende Ausgestaltung des Systems mit null (oder ganz geringen) zusatzkosten verhindern.

nachteule, 27.02. 15:12

dazu müssten bei uns sicherlich erst unzählige sündteure "studien" von wesentlich überbezahlten "fachleuten" eingeholt werden - das dauert schon noch ein paar jährchen - und bis dorthin wurschteln wir halt so weiter wie bisher auf dem rücken der betroffenen und dann haben wir die nächste regierung und das gewurschtel geht - wie schon in den letzten geschätzt 30 jahren - unverdrossen weiter und wird nach dem heutigen stand auch in den nächsten jahren nicht gelöst werden

80% der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen gepflegt

zapadong, 26.02. 19:58

https://www.oesterreich.gv.at/themen/soziales/pflege/5/Seite.360524.html
Das sollte unbedingt berücksichtigt werden.

Antworten

bananarama, 26.02. 21:52

Wird es eh. Ob die 80 % stimmen, bezweifle ich aber. Kommt ganz drauf an, wie man es betrachtet. In vielen Fällen pflegen Angehörige UND zusätzliche Personen.

logopezi, 27.02. 06:56

dem opa das butterbrot schmieren und ihm beim socken anziehen helfen ist nicht Pflege!
*pflegen* tun angehörige eher selten und in sehr geringem ausmaß, denn die wenigsten angehörigen haben eine entsprechende ausbildung bzw gleichwertige kenntnisse anderweitig erworben.
was angehörige allerdings in sehr großem ausmaß tun, ist *betreuen*.

bananarama, 27.02. 07:11

Das ist jetzt eher Wortklauberei...
Eine Person zu waschen ist sehr wohl auch Pflege. Dazu muss ich keine Ausbildung haben.

logopezi, 27.02. 07:18

jemanden mit intakter haut nur zu waschen (schmutz/schweiß weg) ist eine absolute hilfstätigkeit - spannend wirds dann, wenn der betreffende zb offene stellen (dekubitus...) hat, samt der beim waschen erfolgenden beurteilung zb des hautzustandes, ob sich da vielleicht grad ein solcher zu bilden beginnt, udn dann gleich die nötigen maßnahmen zu bestimmen und in die wege zu leiten - das kann ein laie *sicher nicht* ausreichend, udnd as ist der unterschied zwischen einem waschen durch professionele pflegekräfte udn einem laien: nur weil beide mitd em waschlappen überd en körper fahren dabei ist es noch lange nicht dasselbe.

logopezi, 27.02. 07:19

diese "wortklauberei", wie du es bezeichnest, ist übrigens ein unterschied von 3 jahren studium!

jimmyantipolis, 27.02. 08:11

Nun, ich wuerde Betreuungstaetigkeiten fuer Menschen, die sich selbst nicht mehr helfen koennen, schon als Pflege bezeichnen. Allerdings ist das eben keine professionelle Pflege, nuetzt aber den pfleglingen psychisch mehr, wenn sie in gewohnter Umgebung mit ihrer Familie weiterleben koennen, als in einem Pflegeheim.
Unumgänglich waere aber bei schwereren faellen die regelmäßige Kontrolle und Begleitung durch professionelle pflegekraefte oder aerzte.

logopezi, 27.02. 08:33

@Jimmy
das ist unbestritten und stellt einen großen wert für die leute dar, wenn sie zu hause gut betreut und gepflegt werden - und im übrigen ist es kostengünstiger auch noch als eine stationäre Unterbringung.
allerdings gehören die daheim betreuenden entsprechend geschult und unterstützt, dass es einerseits nicht aus unwissen und trotz vorhandenen besten willens zu gravierenden pflegefehlern kommt, und damit die betreuenden sich nicht überfordern und dann zusammenklappen.

bananarama, 27.02. 09:06

@logo
Ich glaube, das mit den Schulungen und Ausbildungen ist eher Wunschdenken. Wir haben schon jetzt einen Pflegenotstand, und der wird sich noch verschärfen. Da muss man oft schon um "unprofessionelle" Hilfe froh sein. Das ist die Realität.

logopezi, 27.02. 09:15

eine entsprechende Schulung würde den pflegenotstand schon kurz- bis mittelfristig sogar lindern, weil es dann zu weniger pflegefehlern kommt, die nur sehr kosten- und personalaufwendig, wenn überhaupt, wieder zu beheben sind, und als folge oft einen langfristig erhöhten pflegeaufwand nach sich ziehen.

bananarama, 27.02. 09:18

Gute Vorschläge, aber - wie gesagt - Wunschdenken. Woher willst du die Leute bekommen? Aus Afrika oder Bangladesch? Wie ich dich kenne, eher nicht :-)

logopezi, 27.02. 09:31

die leute sind schon da, sie betreuen ja schon ihre angehörigen.

bananarama, 27.02. 09:37

Ob die die Zeit haben für Fortbildungen? Und das Interesse? Die machen es oft aus der Not heraus, lernen ja sowieso die wichtigsten Handgriffe und Kniffe.
Außerdem betreuen die ja "nur" ihre eigenen Angehörigen. Es kommen aber täglich neue Pflegefälle dazu.

logopezi, 27.02. 10:48

@bana
das Interesse ist sehr groß!
außerdem: siehe Modell Burgenland, wo diese angehörigen beim land angestellt werden. (damit hast 2 fliegen mit einer klappe: sehr oft sind das nämlich Frauen, die entweder aus dem Erwerbsleben aussteigen um zu pflegen oder aus andrem grund viel zu wenige versicherungsjahre haben - so eine Anstellung lässt sich sehr gut mit schulungsmaßnahmen verbinden)
die teilnahme an solchen kursen lässt sich darüber hinaus durchaus auch via Pflegegeld ein bissl hebeln, indem man 1. Pflegegeld nicht bar auszahlt, sondern als pflegekonto gg rechnungsvorlage führt (um sicherzustellen, dass das Geld *wirklich* dem begünstigten zugute kommt), und 2. betreuungsleistungen nur abrechnen kann, indem sie durch jemanden erbracht werden, der zumindest so einen kurs hat.
weil was nicht sein kann, das ist, 1. dass Pflegegeld unkontrolliert für mangelhafte pflege (oder gar keine, wenn man das Geld sich selbst abspart und dem enkerl steckt für alufelgen) ausgegeben wird, und dass 2. es durch falsche Maßnahmen aus unwissen zu massiven Folgekosten für das gesundheits- und sozialsystem kommt. (vom zusätzlichen leid der betroffenen ganz zu schweigen)

labradoodle, 27.02. 11:12

@logo
Für mich wäre interessant zu erfahren, welche Schulungen und Fortbildungen das konkret wären.

logopezi, 27.02. 12:50

@lab
in Richtung pflegehelfer (gut, das ist eine einjährige Ausbildung - aber teile aus dem Curriculum kann man mit Sicherheit durchaus verwenden - und in weiterer folge, wenn die ehemals pflegenden dann vor einem berufs-wiedereinstieg stehen und in die pflege gehen möchten (was einige tun!), auch für die vollständige pflegehelferausbildung anerkennen)

konkrete Inhalte, die sehr wichtig sind, weil in diesen bereichen die meisten fehler in der Versorgung zu hause passieren (Beispiele, ungeordnet):
- richtiger (patienten- und pflegerschonender) Transfer
- essen samt schluckstörungen
- richtige Lagerung des Patienten
- richtiges maß an selbständigkeit vs Unterstützung des Patienten
- Symptome, die professionelle Begutachtung nötig machen
- welche hilfsangebote gibt es/ansprechpartner?
- Psychohygiene und achten auf sich selbst in der betreuungssituation

labradoodle, 27.02. 14:20

Ich wurde z. B. über neun Monate hindurch in der Frühreha täglich intensiv in die Pflege miteingebunden und angeleitet. Dies umfasste alle diese Tätigkeiten, wie Lagerung, absaugen, Kathetern, Stomapflege mit Wechseln des Tracheostomas. Waschen und Körperpflege sowieso. Mittlerweile mache ich dies alles seit acht Jahren selbstständig. Bei der kleinsten Unsicherheit steht mir mein Hausarzt mit Rat und Tat (Hausbesuch) zur Seite. Außerdem sind wir regelmäßig Kundschaft diverser Ambulanzen (Urologie, Epilepsie, Bewegungsstörung).
Für Kurse oder Fortbildungen hätte ich allerdings keine Zeit.

logopezi, 27.02. 14:30

@lab
wo ist das Problem?
diese Einschulungen könnten dir, wenn wirklich so intensiv und umfassend, ja ohne weiteres angerechnet werden.
bei den meisten läufts aber so, dass die "Einschulung" auf die Bedürfnisse des zu pflegenden angehörigen vielleicht 1-2 tage während dessen Reha ausmachten - wenn überhaupt. so der überhaupt auf Reha war.

logopezi, 27.02. 14:34

@lab
und wenn du das alles auf papier hättest und beim land/kostenträger für diese Tätigkeiten angestellt wärest, könntest du 1. versicherungszeiten erwerben, und 2. nach ende der pflegezeit, bei einem berufs-wiedereinstieg, eine entsprechende Ausbildung vorweisen, samt Praxis und berufsausübungszeiten. schlecht? (du selbst magst vielleicht schon in Pension sein und keinen berufswiedereinstieg mehr anstreben, aber es gibt genug, die derzeit nach dem Tod des zu betreuenden vor dem nichts stehen: kein einkommen, kein beruf bzw jahrelang weg davon, später dann keine Pension...)

labradoodle, 27.02. 14:53

Nein, ich finde deine Ansätze absolut nicht schlecht. Pensionsversicherungszeiten erwirbt man jetzt schon durch die Pflege. Ich bin noch nicht in Pension, aber ich hoffe, dass ich niemals in die Situation komme wieder ins Berufsleben einzusteigen, denn das würde bedeuten, dass mein gerade einmal 23jähriges Kind vor mir sterben würde.

logopezi, 27.02. 15:00

ich wünsch euch letzteres natürlich auch nicht.
aber in vielen fällen ist es so, dass der/die betreuende angehörige dann wieder auf dem Arbeitsmarkt ist, mit derzeit nichts vorzuweisendem in der Hand, was diesen wiedereinstieg erleichtern würde.

labradoodle, 27.02. 15:22

Damit gebe ich dir vollkommen recht und in der Regel sind es halt auch meistens ältere Personen die gepflegt werden.
Eine fundierte Ausbildung wäre da wirklich nicht schlecht, aber es bleibt weiterhin die Frage, ob sich das für die Angehörigen zeitlich arrangieren lässt.

logopezi, 27.02. 15:32

es ließe sich zb in modulen aufbauen, und wenn diese angehörigen dann die zeit nutzen könnten die der betroffene zb auf Reha ist (und sie diese zeit nicht einfach brauchen um mal durchzuschnaufen und selbst mensch zu sein), dann kann man in einer pflegezeit, die sagen wir 5 jahre dauert, einen Großteil einer 1jährigen pflegehelferausbildung (800 std Praxis, 800std Theorie) absolvieren, dazu die angerechnete Praxis aus der Betreuung des angehörigen, samt einiger spezialmodule, die angerechnet werden können, weil genau die zu hause eben auch relevant und tägliche Praxis sind (zb Ausbildungsinhalte zum Thema schluckstörung, wenn der zu pflegende eine solche hat)... und schon hat derjenige eine abgeschlossene pflegehelferausbildung samt berufspraxis - und das ist eine quali mit der man durchaus arbeit findet.

labradoodle, 27.02. 16:20

Ja, das würde sich für mich nicht schlecht anhören und vor allem sinnvoll für die Zukunft der Pflegenden.

Und wenn wir das anders lösen,

dosimeter, 26.02. 13:53

indem jeder Mensch das Recht bekommt,
die Todesstrafe für sich selber
zu fordern und umzusetzen
?

Antworten

obergscheita, 26.02. 14:42

gehört sowieso als Grundgesetz her! Genau so wie das Recht auf Leben, soll man auch das Recht auf den Tod haben!
Einziges moralisches Problem das ich sehe, wer soll es ausführen?

dosimeter, 26.02. 16:21

Genau. Verweigern wir jedem so lang die Hilfe,
bis der Typ freiwillig um "Hilfe" bittet.

zwosi, 26.02. 19:26

dosimeter: in Ö hat jeder das Recht, sich zu töten.

phoebe07, 26.02. 19:26

ich sehe - ganz abgesehen davon dass niemand gezwungen werden darf einen anderen zu töten (auch nicht wenn der es wünscht) - noch ein zweites Problem: dass alten Menschen von ihren zukünftigen Erben nahe gelegt wird sterben zu "wollen".

alpensymphonie, 26.02. 20:31

Ja, @Phoebe, das ist ein wichtiger Hinweis, und es ist die Aufgabe des Gesetzgebenden, einem Missbrauch so weit wie möglich entgegenzuwirken.

Das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben in Würde, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind, scheint mir dennoch wichtig zu sein.

ösirepublik, 26.02. 20:50

in Deutschland wurde das Gesetz, daß Tod auf Verlangen verbietet, gerade aufgehoben !

campino, 27.02. 01:39

Und wo ist die "rote Linie" bei der Tötung auf Verlangen?
Ein z.B. dementer Patient kann nicht eigenmächtig über seinen Todeswunsch entscheiden. Ein todkranker Patient, der z.B. in den mittleren Lebensjahren ist und bei vollem Bewusstsein ist, darf dann (abgesehen von der Option des Suizides) von wem auf Verlangen getötet werden? - Von einem Arzt, welcher den hippokratische Eid geschworen hat, soll human töten dürfen?
Was ist mit depressiven Patienten? - Exitus durch Fremdeinwirkung auf Verlangen?
Hier eine klare Grenze zu ziehen, ist oft sehr schwierig bis unmöglich. Es würde monatelang dauern, einen individuellen Fall juristisch auf Berechtigung zu prüfen.
Der einzig ethnisch mögliche Weg ist, durch suksessiv gesteigerte medikamentöse Schmerzlinderung physischer wie psychischer Natur mit Analgetika, Anästhetika und Sedativa den Sterbeprozess zu beschleunigen und keine Reanimationsmaßnahmen beim Eintritt des Todes mehr zu tätigen.
Alles andere wäre nämlich Mord im Sinne von Euthanasie in der NS-Zeit.

alpensymphonie, 27.02. 07:08

Die Problematik ist mir bewusst. Und da ich selbst nicht von diesem Thema unmittelbar betroffen bin, habe ich mich noch nicht genau mit den Regeln befasst. Soweit ich aber weiß, sind sie sehr streng, d.h. ein Demenzkranker fällt sicher raus. Ich denke eher an Menschen und Schicksale wie Mareike Vervoort, die ihre Entscheidung bei vollem Bewusstsein getroffen hat.

logopezi, 27.02. 07:09

ich hab mit sterbehilfe zwei einander widersprechende probleme:
1. es heißt "recht auf leben". wenn es ein Recht ist, kann ich auch darauf verzichten - kann ich das nicht, ist es kein Recht, sondern "Pflicht zu leben". wenn es aber auch ein Recht gibt, auf das leben zu verzichten (was automatisch aus einem "*Recht* auf leben" folgt), dann darf ich mir auch dabei helfen lassen, so, wie ich mir bei der ausübung jedes andren rechtes straffrei für den helfer helfen lassen darf.
2. wir haben eine derart exzellente palliativversorgung in österreich, dass die meisten ängste, die mit dem sterben/schwerer krankheit verbunden sind und die man mit einem freiwilligen tod vermeiden will, unbegründet sind.
allerdings sind die möglichkeiten der palliativmedizin (zb palliative sedierung) nicht ausreichend bekannt in der bevölkerung, und es gibt viel zu wenige palliativteams udn diesbezüglich kompetente ärzte.
beides gehört gewährleistet: also das recht, sich dabei helfen zu lassen aus dem leben zu scheiden, und eine entsprechende flächendeckende palliativversorgung (samt information über die möglichkeiten der palliation)

logopezi, 27.02. 07:12

2. ist unklar formuliert: wir haben *rechtlich* exzellente rahmenbedingungen für eine exzellente palliativversorgung, aber diese steht nicht jedem zur verfügung.

Wichitges Thema

obergscheita, 26.02. 08:54

Das in der Coronapanik völlig unter geht!
Die Pflege gehört in staatliche, nicht in private (selbstverständlich) Gewinnorientierte Hände ausgelagert!

Antworten

avs, 26.02. 09:45

Ich kenne beides; Staatliche UND Private Pflege. Staatliche Pflege bedeutet in den meisten Fällen überfüllte Häuser mit zu wenig Personal. Private Pflege bedeutet in den meisten Fällen persönlich Zuwendung und erfreulich gutes, engagiertes Personal. Ich weiß, dass kann man nicht verallgemeinern, aber das sind meine Erfahrungen. Und die private Pflegeheime arbeiten kostendeckend, mit vielleicht einen kleinen Gewinn

bananarama, 26.02. 12:53

Es wird künftig wohl beides geben, staatliche wie private Pflege. Und es wird auch sehr viel improvisiert werden müssen.
Die Leute werden immer älter und damit auch pflegebedürftiger, und Pflegekräfte fehlen an allen Ecken und Enden.
Man kann froh sein, dass Pflegerinnen aus den östlichen Nachbarländern kommen. Aber die werden in Zukunft wohl weniger werden. Dann wird's echt hart...

wenn die betagte Mutter im Altersheim

elwispressli, 17.02. 14:09

2 1/2-Stunden angesch... im Bett liegt, bis endlich eine Pflegerin kommt, kann man sich die Frage selbst beantworten.

Antworten

portofrei, 26.02. 12:37

Ordentlich aufdrehen, wenn es nicht hilft das Heim wechseln

woswaßi, 26.02. 18:30

@portofrei aber bitte gleich an den direktor wenden beim aufdrehen! und vorher den betreuungsschlüßel auf der station eruieren um das dem direktor auch gleich um die ohrn haun zu können ;)

Mehr private Pflege

c3po, 16.02. 19:22

Der demographische Wandel wird dazu führen dass es zu wenig Pflegekräfte für Pflegeheime gibt.
Eine Möglichkeit ist da mehr ausländische Pflegekräfte ins Land zu holen und eben soweit möglich die Pflege zu Hause zu forcieren.

Antworten

phoebe07, 16.02. 19:42

und die Kürzung der Kinderbeihilfe für ausländische Pflegekräfte ist dazu sicher ein guter Beitrag - dadurch signalisieren wir ihnen was ihr Einsatz uns wert ist bzw ihre Kinder uns wert sind (immerhin müssen die ja fremdbetreut werden was zusätzliche Kosten verursacht).

candycool, 16.02. 19:53

pflege ist nicht gleich betreuung

phoebe07, 16.02. 20:16

richtig - aber eine Betreuerin kann durchaus angelernt werden genau die für eine bestimmte Person notwendige Pflege zu leisten (wir haben in unserer Familie gute Erfahrungen damit gemacht, und weder Hausarzt noch mobile Schwester hatten je etwas zu bekritteln) Auch pflegende Angehörige sind ja normalerweise keine Profis sondern werden von diesen dazu angeleitet die für diesen Patienten notwendige Versorgung zu leisten.

candycool, 16.02. 20:22

oft ist laienpflege besser als professionell pflege und trotzdem ein unterschied zur betreuung.

phoebe07, 16.02. 20:32

wenn jemand für den Patienten kocht und der isst selbst ist es Betreuung - wenn der Patient gefüttert wird was ist es dann? Oder wenn die Nahrung - genau nach Anweisung - über eine Sonde verabreicht wird?

logopezi, 16.02. 20:53

@phoebe
immer noch betreuung.
pflege ist es dann, wenn der durchführende selbst pflegerische entscheidungen treffen, maßnahme planen udn umsetzen kann - zb den grad eines dekubitus einschätzen und angemessen, mit den richtigen maßnahmen (lagerung, apparativ, medikamentös, bis hin zur regelmäßigen ablation nekrotischen gewebes) drauf reagieren kann.
und pflege bzw therapie ist es dann, wenn der durchführende selbst sich ein bild machen kann, mit welchen maßnahmen (positionierung, nahrungskonsistenz, verabreichungsweise
etc) reagiert werden muss um ein sicheres schlucken (um bei deinem bsp zu bleiben) zu gewährleisten. und wenn er das selbst an veränderte gegebenheiten beim patienten anpassen kann.

logopezi, 16.02. 20:57

...und vor allem, wenn er weiß udn auch am patienten abschätzen kann, ab welchem punkt er mit seinen pflegerischen maßnahmen ansteht und einen spezialisten eines andren faches (arzt, therapeut...) beiziehen muss zur weiteren abklärung und therapie.

zwergnase01, 16.02. 20:59

Meine Frau hat vor einigen Jahren einen Schlaganfall erlitten und trotz meines Alters (80) pflege ich sie.
Tagsüber besteht die Pflege hauptsächlich darin, daß ich das Essen zubereite, meine Frau bade, an und - auskleide, meine Frau bei den Toilettengängen begleite und achte, daß sie nicht stürzt, abends ins Bett bringe ubd natürlich morgens aus dem Bett helfe.
Von allen Seiten erhalte ich gute Ratschläge:
Du mußt doch einmal ausspannen, .....geh Schi fahren, mach kleine Wanderungen usw., da gibt es doch Organisationen die können stundenweise auf deine Frau schauen und kostet fast nichts.
Stimmt schon, diese Betreuerinnen sitzen stundenlang herum, tun mit meiner Frau fernsehen und kaffeetrinken.
Aufs Klo begleiten?
Nein, das wäre dann Pflege und die hat ihren (saftigen)Preis.
Pflege habe ich für meine Frau schon anfänglich beansprucht, für ca. 70.- Euro pro Stunde.
Natürlich gibt es Pflegegeld, das reicht gerade für 10 Stunden Pflege im Monat.
So mache ich die Pflege und das Geld verwenden wir für Restaurant - und Kaffehausbesuche, damit kann ich meiner Frau eine große Freude bereiten.

logopezi, 16.02. 21:07

@zwerg
lass dich entsprechend beraten, es gibt sicher möglichkeiten, dir entsprechenden freiraum zu verschaffen damit auch du mal durchschnaufen und einfach nur du selbst sein kannst (ihr seid ja früher auch sicherlich nicht 24/7 beieinander gepickt, oder?).

immer dran denken: deiner frau kann es nur so gut gehen wie es dir selbst in der pflegesituation geht! also schau *auf dich*, eben damit es deiner frau gut gehen kann! wenn du einknickst, hast du nix davon, und sie noch viel weniger.

logopezi, 16.02. 21:12

udn natürlich auch entsprechende reha-maßnahmen in anspruch nehmen! in den ersten 5 jahren gewähren die kassen nach insult 3 rehaaufenthalte, danach 2jährlich. auch deise zeit kannst du für dich nutzen, bzw ist es teil der reha, ressourcen für zu hause zu erschließen und zu organisieren, dass es da dann entsprechend gut funktionieren kann, und zwar für *alle* beteiligten.

zwosi, 16.02. 21:30

c3po: allerdins ist häusliche Pflege ohne brutale Ausbeutung der Pflegekräfte hicht finanzierbar.

zwergnase01, 16.02. 21:32

Natürlich @logopezi werden/wurden viele Therapien gemacht. Ich bin z. B. 80x von Salzburg zur Therapie nach OÖ gefahren, hin und zurück jedesmal 250 Kilometer), meine Frau war sechs Wochen in Loipl (Bischofswiesen, Bayern) zur Therapie, vier Wochen in Großgmain und 20 Tage in der Dopplerklinik/Salzburg und insgesamt 20 Tage beim Verein Avos/Salzburg.
Vom Aussehen gehts meiner Frau blendend, sie ist 77 und sieht aus wie 55, erst wenn ich ihr im Restaurant das Essen schneide oder zum Klogehen den Rollstuhl hole, dann schauen die Leute ganz verstört.
Doch was hilft das wenn sie ohne mich völlig hilflos ist?

logopezi, 16.02. 21:40

ohne dich ausfratscheln zu wollen über dinge, die mich nix angehen: warum ist sie so - fast symbiotisch - abhängig *von dir*? warum kann kompetenzmäßig einfache handreichungen wie essen schneiden nicht auch wer anderer für sie machen? kann es sein, dass sie so sehr auf dich geprägt ist, dass sie es von andren nicht akzeptiert, eben weil es immer du und nur du machst? oder dass sie es schon akzeptieren würde, du es aber nicht zulässt, weil du das als deine aufgabe als gatte (in guten wie in schlechten tagen, wie es so leichtfertig hingesagt heißt) siehst? (nicht mir beantworten, diese fragen - mich und die mitleser geht das nix an! versuche, es einfach dir selbst ehrlich zu beantworten)

zwergnase01, 16.02. 21:57

So ist es @logopetzi, meine Frau und ich sind immer füreinander dagewesen, wie der Pfarrer vor fast 50 Jahren gesagt hat:
......füreinander da sein, zusammenhalten in guten wie in schlechten Zeiten .....
Und so lasse ich sie auch jetzt nicht in Stich

logopezi, 16.02. 22:43

sollst du auch nicht! aber achte dabei auch auf dich - wenn du einknickst, habt ihr beide nix davon.

kaunitz, 17.02. 13:24

@zwergnase01: Chapeau vorderhand. Ihre Situation erinnert mich bis in die letzte Kleinigkeit an die meiner Eltern. Zu 100%. Auch Sie sind noch ein echter Mann, der nicht kapituliert und seine Frau im Stich lässt.

Einen weiteren, aus meiner Sicht positiven Aspekt will ich noch hervorheben. Mein Herr Papa hat fast 15 Jahre lang Pflegedienst verrichtet, erst die letzten 5 Jahre hat er 24 Stunden-Hilfe in Anspruch genommen. Ich bin davon überzeugt, daß ein wesentlicher Teil seiner durchgängig hohen geistigen und körperlichen Agilität diesem Umstand geschuldet war. Er wurde gebraucht. Und wurde 91, meine Frau Mama 100.

Ich wünsche Ihnen 110 erfüllte Jahre. Von ganzem Herzen.

Tatsächlich schlecht aufgestellt?

yingyang, 16.02. 15:19

Mit 36 Dienstjahren als DGKS in diversen Einrichtungen vom Landespflegeheim über das LKH Graz bis hin zum Hilfswerk muss ich sagen:
Ja wir sind schlecht aufgestellt und sehr viele Gründe dafür sind rein hausgemacht:

1) Die Initiative „Mehr Privat weniger Staat“ hatte auch in der Pflege katastrophale Auswirkungen. So,wurden sehr viele Pflegeeinrichtungen der Städte und der Länder an Private verkauft deren erstes Bestreben es ist die Anteilseigner oder Aktionäre zufriedenzustellen. Dann kommt lange nix und dann kommen die Pfleglinge in den Heimen.
Wer das nicht glaubt sollte sich mal senecura oder Kräutergarten-Gruppe Heime ansehen. 1 Krankenschwester und 1 Pflegehelferin für rund 60 Patienten in der Nacht sind da die Regel und nicht die Ausnahme. Im Schnitt haben Pflegekräfte dort pro Patient rund 7,5 Minuten Zeit. Hat man nun einen wirklich „schweren Pflegefall“ der vom Wickeln, Anziehen bis hin zur Anreichung von Nahrung und Assistenz beim Trinken alles braucht kann man sich vorstellen was man in dem Zeitfenster erledigen kann.
Dann kann man sich von den Angehörigen aber noch den Vorwurf anhören dass man nicht mal mehr Zeit für einen netten Plausch mit den Patienten hat.
Und was passiert wenn sich ein Patient nachdem er fertig gemacht wurde aufgrund von Inkontinenz wieder einkotet? Tja der bleibt dann oft 3-4 Stunden in seinen Exkrementen liegen schreit, weint und klingelt bis die entnervte Pflegehelferin die Klingel am Patientenbett deaktiviert damit man in Ruhe sich den anderen 30 Patienten widmen kann.
Patienten die mit der Rettung gebracht werden und oft 2 Stunden alleine im Gang sitzen müssen da niemand da ist um sie in einen Rollstuhl umzusetzen und sie ins Zimmer zu bringen da alle voll am rotieren sind.
Alles das habe ich genau so schon in heimischen Pflegeheimen erlebt.

2) In Ermangelung einer Pflegeversicherung und dem Wegfall des Pflegeregresses bei uns in der Steiermark stand plötzlich noch weniger Geld für Personal und Inventar zur Verfügung.
Dies führte teils zu kuriosen Blüten wie dass sich 3 Heimbewohner eine Schnabeltasse teilen mussten die halt vor jedem anderen Patienten desinfiziert wurden. Den Patienten wurde mitgeteilt dass sie nur in der Zeit von x bis y Uhr trinken können und ansonsten warten müssen bis sie mit der Tasse wieder dran sind.
Genau so in einem privaten Köflacher Heim passiert.

3) Durch schlechte Bezahlung und lange Arbeitszeiten wird der Job für potentielle Interessenten auch nicht attraktiver.

Antworten

heposut, 16.02. 15:59

@yingyang: Ich habe vollsten Respekt und Anerkennung für alle Menschen die andere Personen pflegen und betreuen!

Interessante und leider auch dramatische sowie traurige Einsichten die Sie hier schilden, die ich so ähnlich leider auch schon bei einer Verwandten Person in einer Pflegeeinrichtung miterleben musste.

Die allermeisten Menschen in Pflegeberufen leisten sehr gute und mitfühlende Arbeit, davon bin ich überzeugt, leider stößt jeder mal an seine Grenzen, Sie haben das eindrücklich geschildert!

Es kann sich allerdings nur was zum positiven verändern wenn die Rahmenbedingungen endlich verbessert werden!

Und das schnell, weil wir alle werden älter und jeden von uns kann auch so ein Schicksal ereilen!

phoebe07, 16.02. 16:49

sind Schnabeltassen so teuer dass sie nicht vom Taschengeld bezahlt werden können ?

yingyang, 16.02. 17:53

Sind sie nicht phoebe Weswegen keine gekauft wurden musst den privaten Inhaber selber fragen denn auch die dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich so ein Vorgehen nicht erklären.

Um rechtlich abgesichert zu sein werde und darf ich auch keine genauen Infos geben um welche Einrichtung genau es sich handelt, doch um missstand zu sehen muss man heute leider nicht sehr weit reisen.

Als der Pflegeregress fiel und das Land Steiermark den Betrag nicht wirklich ausglich wurden in einer Einrichtung anfangs aus Protest die Desinfektionsspender in den Patientenzimmern nicht mehr aufgefüllt nach dem Motto: Dann sparen wir halt bei elementaren Dingen.
Das traurige ist das nach fast 2 Jahren immer noch keine neuen Sterilium Flaschen installiert wurden und die dortigen Mitarbeiterinnen inzwischen vom eigenen Gehalt selber welche Mitbringen um multiresistente Keime mancher Bewohner nicht im ganzen Heim zu verschleppen.
In einer anderen Einrichtung wurde die Anzahl von Windeln für inkontinente Patienten aufgrund des Pflegeregresses auf 2 Stück pro Tag reduziert. Wenn sich ein Patient öfters einkotet oder einpisst muss dieser bis zum nächsten Tag mit seinem eigenen Urin und Kot am Körper weiter rumlaufen.

Und das schlimmste ist: Die Hoffnungslosigkeit die man den Mitarbeitern selber gibt, denn diese höchst engagierten Menschen wissen genau wo der Schuh drückt oder es Missstände gibt aber die Führungspersonen wollen meist davon absolut nichts wissen, relativieren oder drohen mit Kündigung nach dem Motto: Jeder ist ersetzbar.

Und da kommen wir zum extremsten Fall den eine Kollegin von mir in einem privaten Heim der Südsteiermark erlebt hat.
Aufgrund Budgetmaßnahmen wurden dort im Küchenbereich alle Maßnahmen zur Hygiene und Ungezieferbekämpfung missachtet.
Als Küchenpersonal das dritte mal die Pflegeheimleitung auf den Umstand aufmerksam machte luden diese die Mitarbeiter zu einem Gespräch ein und verkündeten:
Da unser Personal sich nur über Ungeziefer in der Küche beschwert haben wir uns entschlossen ab morgen mit neuem Küchenpersonal weiterzumachen, dann brauchen sie alle sich darüber keine Gedanken mehr zu machen.

candycool, 16.02. 19:57

tja, die stakeholder sind halt wichtiger als ein lebensabend in würde. sparen im system und schneller fertig machen ist leistung, die sich lohnenwird. aum mani peme hung.

logopezi, 16.02. 20:43

@ying
ich kann nur "historisch" reden, meine mutter war bis mitte der 90er in linz in einem städtischen pflegeheim stationsschwester:
40 patienten für *eine* schwester in der nacht waren auch da die regel, mit dem waschen wurde um halb 2 in der früh begonnen, sonst wäre man bis zur dienstübergabe in der früh nicht fertig geworden.
einmalhandschuhe und desinfektionsmittel gab es nicht.
pflege- und verbandsmaterial war kaum vorhanden und nur das billigste vom billigen, sicher nichts damals zeitgemäßes.

diesbezüglich hat sich also nix verändert.

andrerseits war der vater/großvater einer befreundeten familie, enkelin des herrn ist dgks, bis zu seinem tod fast 2 jahre in einem privaten pflegeheim (kein promi-heim!) in der so-stmk und wurde dort lt aussage der enkelin wirklich bestens versorgt.

bezügl ungeziefer in der küche: einfach sanitätsbehörde und medien einschalten, wenn der arbeitgeber keine maßnahmen ergreift. ebenso bei allen andren missständen. eine andre lösung, diese geldgierigen betreiber im zaum zu halten sehe ich nicht.

logopezi, 16.02. 21:33

was ich nicht verstehe: in der reha schreibt der kostenträger bis ins kleinste detail alle zu erbringenden leistungen vor.(betreuungsschlüssel, zu erbringende leistungen pro patient, ausstattung des hauses etc etc... udn weils grad thema war: bis hin dazu, dass ein externer ungezieferbekämpfer unter vertrag stehen muss, der alle maßnahmen nach den für krankenanstalten bzw für die hotelkomponente derselben bestehenden regeln und normen umzusetzen hat)
dazu gibt es dann angekündigte kontrollen ca alle 2 jahre, und dazwischen unangekündigte.
warum nicht auch so bei pflegeheimen?

Mal Hand aufs Herz:

erdling3, 16.02. 15:09

Wer würde seinem Kind ernsthaft raten, Pfleger zu werden?
Kaum jemand tut das.
Ist es doch vielmehr so: Die Pflege ist kein Ort, an dem man sich gerne sieht, auch nicht auf der aktiven, der pflegenden Seite.
Ganz egal, mit welch platten Sinnsprüchen man theoretisch aufwartet: Sich um Menschen zu kümmern hat in der Praxis wenig Renommée in unserer Welt.
Jene salbungsvollen Worte, mit denen man die Branche ab und an bedenkt, lenken doch nur ab von den harschen Bedingungen und der schlechten Bezahlung.

Nein, als Pfleger wollen wir unsere Kinder nicht sehen, wenn wir es uns aussuchen können.
Wir legen unseren Kindern andere Wege nahe; die sollen aufwärts führen und nicht in die gefühlte Resterampe des Arbeitsmarktes hinein.
Schließlich wollen wir ihr Bestes im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten, so klein der auch sein mag.
Wir sprechen von Zukunft und schubsen die Kinder der Digitalisierung und der Technik entgegen, welche wir synonym als Fortschritt begreifen.
„Mädchen, sei gescheit und lern was Vernünftiges“, raten wir unseren Töchtern und verstehen es als Emanzipation, wenn Girls die vielbemühten MINT-Domänen erobern, während die Care-Arbeit auch weiterhin in der geschmähten Schmuddelecke ihr Mauerblümchen-Dasein fristet.

Care-Arbeit, das ist übrigens Kümmern im weitesten Sinn, und umfasst weit mehr als die Pflege der Alten und Kranken.
Sie bedeutet auch, jeden zwischenmenschlichen Alltag zu organisieren, bei dessen Organisation die gemeinen Märkte versagen.
Kinderbetreuung, Erziehung, Haushalt, Familie, Freunde: permanent kümmern wir uns, auf dass die Gesellschaft gestützt, entlastet, verbessert wird.
Und permanent erfahren wir in diesen unabkömmlichen Bemühungen zunehmend Beengtheit und Geringschätzung.
Zeitgleich durchdringen Verkaufsstrukturen das soziale Geflecht. Wo es ihnen möglich ist, wachsen sich die Märkte auch am sozialen Bedürfnis aus.

Diese frischgekeimten Märkte rechnen die unbezahlten Ungerechtigkeiten meist in ungerechte Niedriglöhne um.
Wer es sich leisten kann, kauft sich gemäß dieser Logik die entsprechenden Dienstleistungen ein; wer das nicht kann, leistet seine Dienste doppelt: Einmal unbezahlt im eigenen Umfeld, und zusätzlich beim Putzen, Kümmern und Zuliefern für die jeweiligen Auftraggeber.

Aus der Tradition heraus kümmern sich Frauen am meisten, ferner sind Lohnsklaven aus benachteiligten Regionen die Kümmerer, die unserer Oma für noch kleineres Geld den Hintern abwischen.

Antworten

erdling3, 16.02. 15:10

Insgesamt organisiert sich Gesellschaft zulasten des internationalen Prekariats im Allgemeinen, und zulasten des weiblichen Prekariats im Speziellen.
Ganz willentlich nutzen wir die globalen Zwänge und importieren Pflegedienste aus dem Ausland, als wäre das ein durchdachtes Konzept.
Dabei denken wir leidlich wenig.
Die Lohnmigration in die immergleiche Richtung bewirkt nicht nur einen Brain-Drain der mensch-exportierenden Länder, sondern hinterlässt auch eine klaffende Lücke im Care-Bereich, während das Überangebot auf der anderen Seite die Löhne zusätzlich drückt.

Ganz wie immer denken wir stets nur im kümmerlichen Rahmen der gegebenen Möglichkeiten, der zudem beständig schrumpft.
Wenn wir vom Kümmern reden, reden wir jedenfalls bloß davon, wie wir Menschen, meist Frauen, von einer Kümmerpflicht freispielen können.
Das spielt die Meisten aber gar nicht wirklich frei, sondern optimiert sie wiederum nur für das Korsett einer Lohnarbeit, welche als erstrebenswertes Ideal gilt, hinter dem menschliche Kümmerpflichten verschwinden.
Wäre es nicht erstrebenswerter, würde man das Kümmern vor diesem halbseidenen Vorhang hervorholen und ehrlich würdigen in Wort und Tat?

Das würde auch bedeuten, bis dato unbezahlte Familienarbeit auf allen Ebenen aufzuwerten.
Die Aufwertung von Care-Arbeit, die nur eine generelle sein kann, stößt sich allerdings hart an den kapitalistisch gefärbten Außengrenzen unserer Gedankenwelt.
So erklärt sich denn auch der klägliche Ist-Zustand im Missverhältnis zu unserer punktuellen Kalenderspruchphilosophie.
Wir erleben diese Widersprüche doch unentwegt auf allen Kanälen der Wahrnehmbarkeit.

Denn, Hand aufs Herz:
Wenn wir es ernst meinten mit den salbungsvollen Worten, müssten wir doch unsere Kinder scharenweise ermutigen, sich einer Care-Arbeit zuzuwenden.
Diese sähe dann natürlich anders aus in der allgemeinen Bewertung; ein einziges Wohlwollen schlüge ihr entgegen.
DAS wäre Emanzipation von einer ganz neuen Qualität:
„Junge, lern was Vernünftiges, und lass dich zum Pfleger ausbilden.
Der Beruf hat Zukunft, ist erfüllend, sinnvoll und macht die Welt besser.
Sowas wird natürlich gut bezahlt, die Stimmung ist gut, und weil die Aufgaben anstrengend und fordernd sind, ist die Arbeitszeit gering...“

Es dauert wohl noch, bis wir uns sowas sagen hören.
Die Sager vom Sparen, von den Gewinnen, Dividenden, Effizienzen und Konkurrenzen… stehen dem ja - noch - diametral entgegen.

heposut, 16.02. 15:24

@erdling3: Ehrliche, interessante Betrachtung, die mich zumindest sehr nachdenklich stimmt.

Freue mich immer sehr Ihre Beiträge hier zu lesen, die sind für mich eine große menschliche Bereicherung, vielen Dank an dieser Stelle!

erdling3, 16.02. 15:34

@heposut
Schön, wenn meine Bemühungen auf Anerkennung stoßen.
Das freut mich ganz ehrlich.

blackrabbit, 16.02. 12:20

Es braucht eine Pflegeversicherung. Meiner Meinung nach unumgänglich.
Es gibt keine solziale Gerechtigkeit sondern nur eine soziale Solidarität. Es ist einfach nur Glück, wenn sie man nie krank bzw. pflegebedürftig wird.

Antworten

Pressestunde mit Fr. Anderl

kritik2020, 16.02. 12:01

Fr. Anderl wie auch andere Genossen verschweigen gerne den Dienstgeber-Anteil für die Sozialversicherung, der mehr als die Hälfte ausmacht, daher ist es nur gerecht, wenn auch Dienstgeber in der neuen zusammengelegten Krankenkasse mehr zu reden haben, als bisher. Es sollten die Genossen endlich einmal auch bei diesem Thema bei den Tatsachen bleiben!

Antworten

logopezi, 16.02. 12:23

frage: wer erwirtschaftet auch den dienstgeberanteil?

logopezi, 16.02. 12:00

um die nettogehälter im sozial- und gesundheitsbereich zu heben, könnte man genau das machen, was jedes unternehmen macht: mitarbeiter bekommen die leistungen des unternehmens günstiger (die sekretärin bei einem autohändler zahlt sicher weder für ihr auto noch für das service den gleichen preis wie herr/frau xy, detto der verkäufer im sportgeschäft für seine schi, oderd er elektrikergeselle fürs material, das er in seinem haus einbaut usw) - also auch für die leute im gesundheitsbereich gleich mal einen 30% rabatt auf alle sv- und kkbeiträge!
dann kostens den arbeitgeber um keinen cent mehr, und haben trotzdem mehr im taschl!

Antworten

kritik2020, 16.02. 13:54

logopezi, bitte nicht vergessen, dass alle miteinander das erwirtschaften, aber deshalb müssen dementsprechend auch die Dienstgeber in der KRK etwas zu sagen haben. Die österreichischen Dienstgeber investieren ja auch in der Regel das erwirtschaftete Geld wieder in den Betrieb, allerdings wissen wir ja, dass es die Multikonzerne gibt, die es sich leider richten können und das wird in der EU von einigen geduldet. Da wäre ja viel Geld zu holen, was aber von der EU-Kommission bis jetzt verhindert wird.

logopezi, 16.02. 21:02

von wäre hamma aber nix - udn österreich allein richtet nix aus um aus dem wäre ein ist zu machen.

Pressestunde mit Fr. Anderl

kritik2020, 16.02. 11:29

Wie immer kann die Genossin nur mehr Geld fordern ohne echte Vorschläge woher das kommen soll, zu haben. Abgesehen davon waren jahrelang rote Sozialminister im Amt, ohne auch nur eine einzige Lösung in Bezug Pflege gefunden zu haben. Im Gegenteil, man hat das Problem immer beiseite geschoben, obwohl es schon vor Jahren klar war, dass da eine Lösung notwendig wäre. Jetzt aber unter der neuen Regierung ohne der Genossen kommen auf einmal alle möglichen Forderungen auf den Tisch inklusive Streiks und Demos - siehe Fr. Anderl.

Antworten

logopezi, 16.02. 11:51

jetzt kommt sicher gleich wieder: ja die schwarzen haben ja alles verhindert!
na dann darf man halt nicht in eine koalition gehen mit ihnen, wenn die alles verhindern!

Wann kommt Kurz seine Pflegeversicherung???

blumenstrauß, 16.02. 10:12

Oder kommt doch das die Millionäre einen kleinen Beitrag dazu leisten wollen???

Antworten

Zur Lastenverteilung

maverick, 16.02. 10:06

Ich finde es nicht OK, wenn der zu Pflegende all sein Vermögen seinen Lieben vermacht/verschenkt und seine Pflegekosten sozusagen auslagert, indem diese die Gesellschaft übernehmen soll.

Antworten

logopezi, 16.02. 10:46

findest du es ok, dass jemand sein ganzes einkommen ausgibt, keine rücklagen schafft, und somit die gesellschaft seine pflegekosten schultern muss?
wenn ja: warum soll ein andrer, der spart, das geld für seine pflege ausgeben müssen, wenn es jemand, der (zb bei gleichem einkommen) nicht spart, das selbstverständlich von der allgemeinheit finanziert kriegt?

heposut, 16.02. 11:07

An euch beide gepostet, maverick und logopezi: Pflegeberufe müßen einfach höher entlohnt werden, gleichzeitig max. 35 Stunden Woche, ansonsten droht baldiger Kollaps.

Natürlich ist das nicht so einfach zu bewerkstelligen, geht nicht von heute auf morgen und daher müßen alle Vertreter der Parteien + Pflege Branche + Bevölkerung ins Boot geholt werden.

Jetzt zu euren Postings: Es wird immer Personen geben die nichts gespart-bzw. kein Geld haben, aber Pflege dringend benötigen, wie wollt ihr mit diesen Menschen verfahren?

Stelle euch die Frage und ihr habt die Antwort darauf. :-)

logopezi, 16.02. 11:49

bei denen die nix habe isses eh klar, dass die der staat versorgt, über die diskutieren wir auch nicht - es geht hier um die, die was haben: warum sollen die zuerst alles was sie haben hergeben, bevor der staat hilft? mit andren worten: warum soll der staat sanktionieren, wenn du dein geld sparst udn dann den kindern gibst, nicht aber, wenn du alles für ein neues auto und la dolce vita ausgibst?

logopezi, 16.02. 11:53

und sicher gehört der gesundheits- und sozialbereich besser bezahlt!
aber das reflektiert halt auch wertigkeiten in unsrer gesellschaft: man zahlt lieber MINTler hoch, damit die neuen handies nicht im halbjahres-, sondern im vierteljahrestakt herauskommen können... man muss ja prioritäten setzen im leben, nicht wahr?

heposut, 16.02. 11:58

@logopezi: Ich kann deine Meinung gut nachvollziehen, und eines dürfen wir alle nicht vergessen, die Menschen werden immer älter, daher steigt auch der Pflegebedarf.

logopezi, 16.02. 12:03

ja, dei menschen werden älter. wo ist die anpassung beim pensionsantrittsalter, die jedem denkenden menschen einleuchten muss, die aber von allen regierungen der letzten 30 jahre vor sich her geschoben wurde? (allein schon die frechheit mit dem pensionsantrittsalter der frauen! schaut man deren lebenserwartung an, müssten sie um 5 jahre länger arbeiten als männer, nicht kürzer!)

heposut, 16.02. 16:04

@logopezi: Das ist ein sehr heikles Thema mit dem Pensions Antrittsalter, kann daher jeden Politiker verstehen das er sich nicht die Finger daran verbrennen möchte.

Ehrlich gesagt würde es mich wundern wenn die meisten Arbeitnehmer dafür wären, was hältst du von einer Volksbefragung?