Standort: debatte.ORF.at / Meldung: "Wie sinnvoll sind Quoten?" / Kommentaransicht

Wie sinnvoll sind Quoten?

2018 kommt die verpflichtende Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten von Großunternehmen. Während die einen das für einen notwendigen Fortschritt halten, sehen laut einer Studie vor allem Männer wenig Sinn in gesetzlichen Quoten. Wie sinnvoll sind Quoten? Was sind die Argumente dagegen? Was spricht dafür?

zurück zur Debatte

549 Beiträge

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Beiträge

Erfahrungen aus meinem Bereich

alduran, 11.08. 14:01

Ich möchte euch meine Erfahrung als Gehaltsverrechner in einem Bereich zur Verfügung stellen, in dem eine verpflichtende Frauenquote schon seit mehreren Jahren existiert. Ja, es ist ausdrücklich meine Erfahrung.
Nein, sie war nicht wirklich schlecht, aber besonders gut auch nicht.
Was hat sich mit der Quote verändert? Nichts! Wo früher unfähige Männer mit Vitamin B in führende Positionen gehievt wurden, werden jetzt halt auch teilweise unfähige Frauen mit der Quote in führende Position gehievt. Die, die wirklich gut ihre Arbeit machen und es nicht groß hinausposaunen wie toll sie nicht sind, kommen noch immer zu nichts. Egal ob Frau oder Mann. Wer glaubt, dass Leistung und Qualifikationen etwas zählt, der hat leider keine Ahnung von der Realität. Das Einzige was zählt ist wie man sich verkauft und wie man kurzfristig den Umsatz für Managerboni steigert, egal ob der Gewinn dadurch steigt oder nicht.
So wurde eine Kunststudentin Prozessmanagerin, eine Germanistik-Absolventin Personalchefin und eine Publizistik-Absolventin Key Account Managerin. Alle wohlgemerkt ohne auch nur einen Tag Erfahrung in dem Bereich. Hauptsache abgeschlossenes Studium und Hauptsache Quote erfüllt.
Und das Positive?
Ich habe neue und menschlich interessante Kolleginnen kennengelernt. Eine Chefin bekommen, die einen unfähigen und autoritären Rechthaber ersetzt hat und sich fast schon liebevoll um uns kümmert.
Das teilweise aufbrechen von diversen Netzwerken die sich gegenseitig immer wieder Gefallen getan haben.
In meinem Bereichen hat sich das Arbeitsklima und das Raumklima durch den höheren Frauenanteil verbessert. Meine Kollegin hat fast schon einen Urwald in ihrer Bürohälfte. Außerdem ist sie wesentlich gesprächiger als mein Ex-Kollege.
Mein Fazit:
Verbessert hat sich nur in Einzelfällen etwas, denen mindestens ebensoviele Verschlechterungen gegenüberstehen.
Der Frauenanteil ist in der gesamten Zeit (Quote operativ seit 2005) um sage und schreibe 2% (von 23 auf 25%) gestiegen (Stand 2016). In absoluten Zahlen gesprochen habe wir in unserer Abteilung jetzt um 9 Frauen mehr als vor 12 Jahren. Die Anzahl weiblicher Führungskräfte sind von 3 auf 5% gestiegen. In absoluten Zahlen plus 5 Frauen.
Warum kommen nicht mehr Frauen?
Mangelndes Interesse am Betätigungsfeld der Firma. Das hat leider nichts mit Bildung, Erziehung oder Benachteiligung zu tun.
Gleiches sehe ich bei meiner Tochter. Interesse an Technik null, obwohl mehrfach versucht sie zu begeistern.

melhut, 11.08. 14:50

"Mangelndes Interesse am Betätigungsfeld der Firma. Das hat leider nichts mit Bildung, Erziehung oder Benachteiligung zu tun."

Und genau in diesem Punkt muss ich dir leider widersprechen. Frauen kommen nicht mit einem mangelnden Interesse an Technik zur Welt. Sie werden von der Gesellschaft dazu gemacht. Eltern haben nur begrenzt die Möglichkeit, diesen Einflüssen entgegenzuwirken. Und selbst das geht nur, wenn es den Eltern auch selbst bewusst ist.

Ansonsten eine sehr interessante Geschichte.

sodenkeich, 11.08. 17:14

Der Erfahrungsbericht - ich denke das er die Sache fast trifft.
Habe mehr als 40 Jahre Beruferfahrung - unselbstständig doch einiges erreicht, dann selbstständig, Quereinsteiger überall wie es schlimmer gar nicht geht laut Lehrbuch.
So jetzt zum Unterschied Männer und Frauen - wer sagt die gibt es nicht - der lügt oder MUSS lügen.
Frauen sind klüger - sage ich mal so - wer in der Techink gut sein will - bis auf ein paar Ausnahmen - hat nichts anders im Kopf - Tag und Nacht - auch wenn er schläft kommen Lösungen, so vernarrt sind Frauen selten, viel mehr Männer, und wenn man mit dem Kopf mehr dran arbeitet wird man auch das besser können - daher wird man sich da profilieren.
Frauen haben ganz andere Stärken, die ich als Mann gar nicht bewerten kann und will, aber ein Mix ist sicher sehr gut, davon bin ich überzeugt, wenn ich auch sicher bin das es Erfolgsgeschwindigkeit reduzieen wird in vielen Fällen, aber ich glaube Erfolgsqualität steigern wird.
Aber es verlangt viel Geschickt in der Führung, wenn das funktioniert bringt es was, aber der Weg ist steinig.
Einen Satz zum Schluss - mein alter Chef sagte mir immer : Nimm die Leute wie sie sind, nutze was brauchbar ist - akzeptiere was man nicht brauchen kann, nur wenn sich herausstellt das da gar nichts zu brauchen ist trenne dich.

trigo, 11.08. 21:05

@alduran
vieles kommt mir bekannt vor
@melhut
Mann und Frau sind gleichwertig aber nicht gleichartig sagt uns die Wissenschaft. Frauen sind in vielen Bereichen überlegen, die Technik gehört nicht dazu.

reservebuddha, 11.08. 23:54

"Und genau in diesem Punkt muss ich dir leider widersprechen. Frauen kommen nicht mit einem mangelnden Interesse an Technik zur Welt. Sie werden von der Gesellschaft dazu gemacht."

Diesbezüglich bin ich nach meiner Erfahrung nicht sicher. Ich habe Frauen erlebt, die von typischen "Männer-Themen" fasziniert sind, allerdings nur sehr wenige. Ich habe viel erlebt, die sozusagen zum Zwecke studiert haben, einen Job zu bekommen, und zwar die überwiegende Mehrheit der Frauen in diesem Bereich, mehr als Männer. Die Begeisterung und Faszination, mit der viele Frauen an andere Themen gehen, habe ich von ihnen grade in diesem Thema nicht so oft erlebt, trotzdem aber vergleichbare Kompetenz (erstaunlicherweise, denn ich könnte keine Kompetenz auf einem Gebiet aufbauen, das mir am A.. vorbeigeht).

Ich sage damit: Ich weiß es nicht. Aus meiner Erfahrung könnte ich nicht sagen, woraus sich das ergibt. Vielleicht ist es eine Fehlwahrnehmung meinerseits, vielleicht eine andere Art, sich den Themen zu nähern (wobei ich bei Frauen Begeisterung und Hingabe auch nicht andes Wahrnehme als bei Männern, nur eben statistisch auf anderen Gebieten, also glaube ich weniger, dass es das ist). Ich erinnere mich auch nicht, selbst in eine bestimmte typisch männliche Richtung getrimmt worden zu sein.

An Intelligenz und Kompetenz sehe ich allerdings keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Bloß immer wieder an der Interessenslage, und ich bin nicht sicher, ob die These von der Anerzogenheit hält. Die ist mir ehrlich gesagt zu simpel gestrickt, und scheint mir genau so wenig plausibel wie die (für sich genommen noch dümmere) biologistische Variante.

manz, 13.08. 02:33

Frauen werden nicht von der Gesellschaft am Interesse an Technik gehindert. Die unterschiedlichen Interessen von Mädchen und Buben sieht man schon im Kleinkinderalter, wo sie mit der "Gesellschaft" noch gar nicht in Berührung gekommen sind.

zurück zur Debatte