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Wie sieht die Schule der Zukunft aus?

Das Schulsystem befindet sich gerade wieder einmal im Umbau. Welche Veränderungen sind am notwendigsten? Wo genau liegen derzeit die Schwachstellen, und was läuft gut? Wie sieht die Schule der Zukunft aus?

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1184 Beiträge

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Beiträge

Privatschulen als Heilsbringer...geh bitte!?

nochejassa, 20.03. 19:52

Wenn ich mir so manchen Kommentar hier durchlese, dann stoßts mir sauer auf: Sich über das verkalkte Schulsystem und einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund an öffentlichen Schulen bechweren und den (oft blinden) Gang in eine Privatschule als Lösung zu bezeichnen, ist mehr als kurzsichtig! Denn genau da beißt sich die Katze in den Schwanz: Dadurch entsteht eben keine Vermischung die der gesellschaftlichen Realität entspricht, dadurch wird unser Bildungsniveau niedrig gehalten, weil Sprache und Sprechen immer größeren Anteil im Schulalltag einnehmen (dabei spreche ich nicht von den ohnehin im Lehrplan vorgesehenen Inhalten) und eine Lehrperson nicht allein das sprachliche Vorbild bilden kann. So wird ein zweiklassiges Schulsystem geschaffen und erhalten und man verstärkt die Bildung bzw. Beibehaltung von Parallelgesellschaften.
Es scheint als möchte keiner die (oft gar nicht vorhandene) "Krot" fressen und sein Kind in eine öffentliche Schule schicken, obwohl es auf der Hand liegt, dass der Privatschul-Boom einen negativen Einfluss auf ein allgemeines Bildungsniveau in Österreich hat. Hat "man" tatsächlich Angst, dass das Kind an einer öffentlichen Schule bildungsmäßig verdurstet bzw. dem Kind einen tollen Bildungsweg verbaut, wenn das Kind eigentlich schlau, kreativ, aufgeweckt, neugierig, interessiert ist und gute Leistungen abliefern könnte? Welchen Vorteil erhofft man sich von einer Privatschule, deren Lehrer dieselbe Aussbildung genießen und deren Lehrplan exakt derselbe sein muss?
Abgesehen davon ist der prozentuelle Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund eine Zahl auf einem Blatt Papier, nichts weiter. Der schulische Erfolg und der Bildungsweg steht nach wie vor in engem Zusammenhang mit dem familiären Background. Wie sehr sind diese Familien in Ö integriert, wie sehr identifizieren sie sich mit unserer Gesellschaft und Sprache!? Wie sehr interessieren sie sich überhaupt für die schulische Bildung ihrer Kinder!? Natürlich ist bei Migranten der Anteil von bildungsfernen Menschen eher hoch, aber das allein an dieser Zahl festzumachen ist unüberlegt und eingleisig gedacht.

fragedesgewissens, 20.03. 19:56

Hast du jemals eine öffentliche VS, Unterstufe , Oberstufe in Wien, Graz oder Linz angesehen?

Denkst du wirklich ich schicke meine Kinder in einen Kulturkampf mit Kindern deren Bildungsniveau nichts anderes als Gewalt kennt?

Auch in der Privatschule gibt es Migrantenkinder. Nur haben wir es hier mit Kindern von gebildeten Eltern zu tun.

Das ist ein riesen Unterschied!

dysel, 20.03. 20:00

warum privatschulen so schlecht sein sollen, ist mir rätselhaft. gerade in ballungszentren, wo mehr als die hälfte der kinder kaum deutsch spricht, wird es wohl ein bedürfnis der eltern sein, ihren kindern eine optimale ausbildung zu schenken. und da sind einfach die privatschulen - vor allem die katholischen - oft erste wahl. das spricht nicht gegen die öffentlichen schulen, aber dort wird halt mit mühe der stoff durchgebracht, die "eifrigen" werden aber vernachlässigt. und auch ist der umgang mit erziehungsresistenten kindern gelegentlich ein problem, das in den privatschulen, auch wegen der schulgelder, deutlich geringer anfällt

ibins, 20.03. 20:02

Also mein Sohn ist ausschließlich in öffentliche Schulen gegangen. Und ich muss sagen, es ist trotzdem was geworden aus ihm. Unglaublich, oder???

krähe77, 20.03. 20:04

also in eine katholische privatschule würde ich meine kinder sicher niemals geben!

xyungelöst, 20.03. 20:13

Privatschulen werden dann zu Heilsbringern, wenn die Linken es schaffen, die gymnasiale Unterstufe abzuschaffen.

krähe77, 20.03. 20:18

privatschulen sind nur für die betreiber heilsbringer.

xyungelöst, 20.03. 20:22

das sowieso - das wird dann ein neues Geschäftsfeld wo viel Kohle gescheffelt werden wird

krähe77, 20.03. 20:22

xyungelöst,
was ist denn an der gymnasialen unterstufe so wichtig?

nochejassa, 20.03. 20:28

@fragedesgewissens: Ja, zufällig habe ich das. Ich bin selbst VS-Lehrer einer 4. Klasse in einer öffentlichen Volksschule im 15. Bezirk in Wien. Ich kenne also die Problematik aus erster Hand!
In meiner Klasse gibt es genau 2 Kinder, die keinen Migrationshintergrund haben. Diese und einige andere werden ab September ein Gymnasium besuchen und werden im Juni den Lehrplan zu größten Teilen bzw. teilweise darüber hinaus erfüllen.
Mein Appell richte ich aber logischerweise nicht deshalb an euch alle, weil ich diese ungleiche Durchmischung toll finde und es komplett unproblematisch war, sondern eben genau deshalb weil ich aus meiner Sicht mit genau den beschriebenen Faktoren zu kämpfen hatte und weiß, wie wichtig eine Durchmischung der gesellschaftlichen Realität im Schulalltag wäre.
Dazu muss ich sagen, dass bewusste Gewalt eine absolute Randerscheinung dargestellt und die Kinder nicht verbal oder körperlich grober sind als Kinder ohne Migrationshintergrund (allein diese Kategorisierung finde ich furchtbar), solang sie hier gut angekommen sind und angenommen werden.
@dysel: Ich finde eine freie Schulwahl an sich nicht schlecht und verstehe natürlich auch das Bedürfnis für sein Kind das Beste zu wollen. Allerdings finde ich diese oft unüberlegte und nicht hinterfragte (!!) Entscheidung für eine Privatschule (weil öffentlich geht gar ned) als Wurzel einiges Übels für die Schulrealität an öffentlichen Schulen und dem allgemeinem Bildungsniveau in Ö. Privatschule ist eben nicht gleich bessere Bildung!

xyungelöst, 20.03. 20:32

@krähe: Weil sie der NMS maßlos überlegen ist! Absolventen der 4. AHS sind NMS-Schülern ca. 2 Jahre voraus. Zumindest bei einem guten Gymnasium ...

krähe77, 20.03. 20:37

xyungelöst,
das ist definitiv schwachsinn, da in der ersten leistungstufe der lehrplan der gleiche ist.

krähe77, 20.03. 20:39

nochejassa,
danke für deinen beitrag!

homeroid, 20.03. 20:41

>nochejassa - danke!
Und noch dazu - dass die ÖVP das Bildungssystem privatisieren will ist klar, aber ich würde an alle "Mitläufer" doch etwas weitergeben - glaubt ihr, dann bekommt ihr dort alle Amerikanische Schule Qualität?
Oder es wird wie in der Privatwirtschaft - Lehrpersonal mit McJob Bezahlung ausgestattet, die Motivation null, und Ausbildung statt Bildung.
Das haben eure Kinder nicht verdient.
Aber sie haben auch ihre Ausländerfeindlichkeit, die ihr offensichtlich, ohne es überhaupt zu bemerken, täglich auslebt, nicht verdient. Diese "Qualität" kann man nur Zuhause erlernen, und dann selber zum Problem machen.

nochejassa, 20.03. 20:43

@xyungelöst und aus welchem grund ist diese Bildungsdiversität erstrebenswert? da sind wir wieder beim befürworten der vererbung von bildung, aber nur weil man auf der "richtigen Seite" der Gesellschaft steht...quasi von oben nach unten betrachtet!

xyungelöst, 20.03. 20:45

@krähe: klar ist der Lehrstoff sogar in der gesamten Unterstufe der Gleiche, aber du kannst mir glauben, sämtliche Vergleiche ergeben das plus zusätzlich noch das Feedback von Schülern, die knapp am Ende der Vierten AHS aus notentechnischen Gründen in die NMS wechseln ... Was glaubst warum die lernbegabten Kinder alle in die AHS gehen ... weil in der NMS nix weitergeht ... sowohl vom Tempo her als auch von der Tiefe.

krähe77, 20.03. 20:49

xyungelöst,
die wechsler wollen einfach nur die pflichtschulzeit so bequem wie möglich hinter sich bringen, und es sieht im abschlusszeugnis allemal besser aus in der dritten leistungsgruppe eine eins oder zwei zu haben, als in der ahs eine 4 oder 5.

xyungelöst, 20.03. 20:49

@nochjessa: weil es Kinder gibt, die einfach schneller und/oder besser lernen als andere ... warum soll man denen Steine in den Weg legen??? Die versumpern in einer NMS komplett. Fördern durch Fordern - und es gibt Kinder, die sind in der NMS schon gefordert - und andere brauchen andere Herausforderungen ...

xyungelöst, 20.03. 20:51

@krähe ... ich kenne die Motivation der Wechsel eh ... und nachdem die NMS für die dann NULL Herausforderung bietet vom Leistungslevel her, versteh ich es auch. Ändert aber nix daran, dass die Schule weit hinter der AHS hinterherhinkt.

aberhallo1, 20.03. 20:54

@xyungelöst
was du gesagt hast, halte ich persönlich für einen absoluten, populistischen Blödsinn und stimmt nicht überein mit den Erfahrungen von Lehrern einer Oberstufe (BHS), in welche sowohl Gymnasial- als auch NMS SchülerInnen aus verschiedenen Bundesländern wechseln...
Unterschiede zwischen einzelnen Schulen werden festgestellt, GymnasialschülerInnen sind oft recht gute Schüler, öfters aber auch das absolute Gegenteil. Es sind eher die Unterschiede zwischen einzelnen Schulstandorten sehr groß. Und auch Schüler aus alternativen Schulen (Waldorf, Montessori) haben es MANCHMAL besonders schwer, manche schaffen den Umstieg nur sehr schwer oder gar nicht... Besonders z.B. aus Wien zeigen GymnasialschülerInnen oft schlechtere Leistungen als viele NMS SchülerInnen...
... dies sind natürlich nur subjektive Erfahrungen von einzelnen Lehrpersonen - dafür aber sicherlich nicht gefakte...

solltest du Studien haben, die das belegen würden, was du geschrieben hast ("sämtliche Vergleiche ergeben das "), wären Quellenangaben dazu interessant.

nochejassa, 20.03. 21:01

@xyungelöst...natürlich stimmt was du sagst, leistungsmäßig kann man nicht alle Kinder über einen Kamm scheren. Aber das Modell bei einer (theoretischen) tatsächlichen Abschaffung der Unstufen-AHS bedeutet ja nicht das System NMS beizubehalten, sondern das Schaffung einer Gesamtschule, mit entsprechenden leistungsdiversen Angeboten und Förder- sowie Forderprogrammen. An so einer Schule würden NMS und AHS Lehrer gemeinsam arbeiten. Ich bin ehrlichgesagt nicht ganz bewandert mit genauen Konzepten wie das ausschauen sollte (wenn die Politik solche konkreten theoretischen Konzepte überhaupt schon vorgelegt hat), allerdings verstehe ich diese Angst vor einem Bildungsabfalls im Bezug auf die Einführung einer gemeinsamen Schule bis 14 Jahre nicht. Es zeigen Modelle in anderen Ländern, dass ein späterer Schulwechsel Vorteile aufweist, die nicht von der Hand zu weisen sind.
Natürlich muss Schule dann anders gedacht werden, ob wir in Ö aber so weit sind, bezweifle ich stark. Die Idee finde ich aber gut.

xyungelöst, 20.03. 21:06

@aberhallo: das ist kein Unfug: Zum einen machen viele Schüler aus der NMS, die in eine BHS wechseln, durch Fleiß einiges wett, und natürlich gibts auch AHS-Flüchtlinge, die Nieten sind. Aber in den ganzen BHS wird im ersten Jahr nochmals Stoff der 4. Klasse gemacht um alle auf ein Niveau ungefähr zu bringen. Und bitte komm nicht mit Gymnasien aus Wien, die sind kein Maßstab. Ich hab einen NMS-Abgänger, der ins Gym gwechselt ist, der ist fleißig, aber dem fehlt sehr viel an Wissen, weil einfach viel ausgelassen wird in der NMS ... Bifie-Testungen der 4ten Klasse belegen das Defizit der NMS-Kinder.

xyungelöst, 20.03. 21:08

@nochejassa: Vergleiche aus dem Nachbarland zeigen deutlich, dass Kinder aus dem Gymnasium immer besser abschneiden als Kinder aus Gesamtschulen.
Die Differenzierung im Unterricht ist doch gar nicht umsetzbar. Letztendlich ist es niemals so, dass die Guten die Schwachen mitziehen - die Guten checken irgendwann, dass sie mit weniger Aufwand auch noch gut sind, und die Abwärtsspirale beginnt.

bill47, 20.03. 21:19

@nochejassa

Also ich finde es hoch OK, wenn Eltern das Schicksal ihrer Kinder wichtiger ist als sie am Altar der genealogischen Durchmischung zu opfern.

nochejassa, 20.03. 21:20

@xyungelöst Differenzierung im Unterricht ist umsetzbar! Nur nicht, wenn nur ein Raum und eine Lehrperson vorhanden ist. Eine Öffnung, weg von festen Klassenverbänden und 50-Minuten-Unterrichtsstunden, um nur zwei Beispiele zu nennen! Schule gehört neu gedacht...ich sehe in Österreich dafür aber eher schwarz (auch politisch)!
Und ich aus meiner Sicht in der VS kann nur sagen, dass es sehr wohl so ist, dass "Schwache" sich an "Guten" orientieren und nicht umgekehrt...ob dem die Pubertät in der Folge einen Strich durch die Rechnung macht ist wieder eine andere Geschichte!

reservebuddha, 20.03. 21:23

"Also ich finde es hoch OK, wenn Eltern das Schicksal ihrer Kinder wichtiger ist als sie am Altar der genealogischen Durchmischung zu opfern."

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der "Altar genealogischer Durchmischung". Wer hat diesen Schwachsinnsbegriff geprägt? Und was hätte dieser ohnehin nicht existente Altar mit dem Schicksal von Kindern zu tun?

xyungelöst, 20.03. 21:27

Ich frage mich, warum man ein super Schulsystem (bis Ende 80er) sukzessive zerstören musste und es weiterhin macht.
Und ich sage dir aus Erfahrung, dass sich die Schwachen nicht an den Guten orientieren - die Guten werden zum Einen von den besonders Originellen fertiggemacht und zum Anderen liegt es in der Natur des Menschen, den Aufwand zu reduzieren ... warum soll ich besonders viel Lernen um ne Eins zu bekommen, wenn es ein Anderer mit weniger erbrachten Leistung auch zu ner Eins bringt. Hier kann man den Kids nicht mal nen Vorwurf machen. Man müsste eben das Niveau wieder anheben und die Notenskala von 1 bis 5 ausschöpfen, und nicht nur 1 bis 3 verteilen, wobei 3 eh nur der bekommt, der grad allein in die Schule findet. Leider ist Leistung nicht mehr 'in'. Letztendlich ist eine gymnasiale Unterstufe für niemanden ein Hindernis, darum muss sie bestehen bleiben.

nochejassa, 20.03. 21:28

@bill47 Das ist halt eine Grundsatzfrage der Haltung dazu. Das Empfinden ein Kind zu "opfern" wenn ich es an eine öffentliche Schule gebe, finde ich halt sehr arg gedacht und einfach nicht nachvollziehbar. Dann aber bitte nur nicht über das schlechte allgemeine Bildungsniveau, die nicht gut integrierten Parallelgesellschaften und die ach so schlechten Schulen und Lehrer beschweren, bitte!

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