Standort: debatte.ORF.at / Meldung: "Flüchtlinge: Welche Möglichkeiten gibt es?" / Kommentaransicht

Flüchtlinge auf einem Schlauchboot

Flüchtlinge: Welche Möglichkeiten gibt es?

Europa versucht weiter, die Migration aus Afrika zu bremsen. Wie können Fluchtursachen wirksam bekämpft werden? Wo kann Europa mit afrikanischen Ländern sinnvoll zusammenarbeiten? Welche Möglichkeiten gibt es, den Flüchtlingen zu helfen?

zurück zur Debatte

2156 Beiträge

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Beiträge

Welche Möglichkeiten gibt es?

miamara, 13.09. 17:13

1. Die islamische Almosensteuer könnte finanziell erheblich helfen, siehe
http://www.n-tv.de/politik/Arabische-Welt-koennte-Finanzluecke-schliessen-article16184911.html
lt. ntv gab es da ca. 600 Mrd an Einnahmen und die EU-Kommission hat die arabische Welt aufgerufen, 1 Prozent davon für die Flüchtlingshilfe zu spenden (am besten wohl an die UNO?)

2. Zusätzlich zu den UNO-Maßnahmen und -Kompetenzen könnten europäische Regionen oder Bundesländer die "Patenschaft" für jeweils ein besonders betroffenes Land übernehmen und dort mit Ausbildungszentren helfen. Neulich kam eine Doko über Myanmar, wo von dem Verein "Sonne" (Kärnten/Steiermark) mit Bildung, ärztlicher Versorgung, Nahrung geholfen wird (natürlich in überschaubarem Rahmen, weil es ein kleiner Verein ist). Denkbar wäre, dass die Hilfe an jährliche Geburtenstatistiken gekoppelt wäre. Denn ohne Druck glaube ich nicht, dass sich in den nächsten 50 Jahren etwas an der Bevölkerungsentwicklung ändert. Das hat ja auch in den vergangenen 50 Jahren nicht funktioniert, trotz unzähliger Bevölkerungskonferenzen und trotz Staatsoberhäuptern, die in Europa oder USA Wirtschaft studiert haben.

3. Patenschaften für Mini-Renten für Frauen.

4. Bonuszahlungen für Frauen (z.B. im 3-Jahres-Abstand), die z.B. drei Jahre lang kein Kind geboren haben und vielleicht noch eine Sonderzahlung für Frauen, die bis zum Pensionsantritt nicht mehr als zwei oder drei Kinder geboren haben.

ballaststofffrei, 13.09. 19:30

Ausgezeichnete Vorschläge.

reservebuddha, 14.09. 10:17

"Denn ohne Druck glaube ich nicht, dass sich in den nächsten 50 Jahren etwas an der Bevölkerungsentwicklung ändert. Das hat ja auch in den vergangenen 50 Jahren nicht funktioniert, trotz unzähliger Bevölkerungskonferenzen und trotz Staatsoberhäuptern, die in Europa oder USA Wirtschaft studiert haben."

Na selbstverständlich hat das immer dann funktioniert, wenn man die richtigen Parameter geändert hat, und es ist überdies über die letzten Jahrzehnte insgesamt weltweit, und in allen Weltgegenden, eine starke Rückläufigkeit der Fertilität zu beobachten. Dass man sich diese Ziele irgendwo hin malen kann, wenn wo Krieg und Chaos und Hungersnöte herrschen, verwundert eigentlich niemanden, der die Zusammenhänge zwischen sozialen Zuständen und Geburtenrate kennt.

ballaststofffrei, 14.09. 12:45

Ah ja. Zur Verschleppung des Problems ganze Länder unter Druck setzen. Aber zur Lösung des Problems nur ja keinen Druck ausüben.

miamara, 14.09. 14:21

@reservebuddha, 14.09. 10:17
und es ist überdies über die letzten Jahrzehnte insgesamt weltweit, und in allen Weltgegenden, eine starke Rückläufigkeit der Fertilität zu beobachten.
----------------------------------------------------
Ich bin überrascht, dass bei der Fertilität ein Rückgang zu beobachten ist und das auch noch über die letzten Jahrzehnte weltweit und in allen Weltgegenden. Aber ich gebe zu, ich habe bisher nur ein paar Artikel dazu gelesen, z.B.
http://www.zeit.de/gesellschaft/2015-07/bevoelkerungsentwicklung-vereinte-nationen-weltbevoelkerung

Da steht, dass die Weltbevölkerung schneller wächst als angenommen lt. Weltbevölkerungsfonds der UNO (also eher glaubwürdige Quelle). Außerdem glaube ich schon, dass man auch berücksichtigen sollte, wo das Bevölkerungswachstum stattfindet, weil im selben Artikel steht, dass die Hälfte des Wachstums in den nächsten 35 Jahren in 9 Ländern erwartet wird: Indien, Nigeria, Pakistan, Kongo, Äthiopien, Tansania, USA, Indonesien, Uganda.

Du schreibst, Krieg, Chaos und Hungersnöte wären verantwortlich für die Geburtenraten. Aber bei den o.a. Ländern fallen mir ad hoc nur Nigeria (Norden mit Boko Haram) und Konflikte im Kongo ein. Das kann also nicht die einzige Erklärung sein und Boko Haram hat wohl eher kein Interesse an Familienplanung, ebensowenig wie die Türkei (die bei obigen Ländern nicht aufscheint), wo sich der Präsident zum 100. Geburtstag ein Wachstum auf 100 Mio. Einwohner wünscht. Manchmal kann Bevölkerungswachstum auch ein Druckmittel auf die anderen Staaten sein (z.B. Gadaffi: entweder gebt ihr mir xx Mrd Euro oder ich öffne die Tore für xx Mio Flüchtlinge), etc.

Mein Beitrag war auch nur ein Versuch, Lösungsansätze zu diskutieren, weil ich glaube, wenn man den Frauen - vor allem in Afrika - mit Minipensionen eine Alternative zur größeren Geburtenrate bietet, dass dann in den nächsten Jahrzehnten viel Elend und Hunger verhindert wird. Wo Elend hinführen kann, war gestern in ORF2 zu sehen Weltjournal kreuz und quer: u.a. Nigeria, wo die Frauen schrecklich ausgebeutet werden oder ihre Kinder bei der Großmutter lassen, um es nach Europa zu schaffen. Sie leben teilweise von 50 Euro pro Monat.

Der langen Rede kurzer Sinn: ich glaube nicht an unendliches Wachstum, weder bei den Bevölkerungszahlen noch in der Wirtschaft. Und bei Statistiken zu Bevölkerungszahlen gucke ich lieber, von wem sie denn sind, und der UNO traue ich nun doch eher zu, sich an Fakten zu halten.

miamara, 14.09. 14:35

@ reservebuddha
noch mal ein paar Zahlen, siehe
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37202/umfrage/ranking-der-20-laender-mit-der-hoechsten-geburtenrate/

es sind 22 Länder angeführt, die die höchste geburtenrate aufweisen, darunter 21 in Afrika (nicht alle im Kriegszustand) sowie Afghanistan. Die Geburtenraten reichen von 7,6 im Niger bis 5 im Südsudan und Senegal. Als Vergleich ist Deutschland angeführt mit 1,4 Geburten.

maumau, 14.09. 17:02

Der Artikel über die Almosensteuer stammt aus 2015. Wieviel haben die arabischen Länder denn der EU gespendet??? (Gelder für den Moscheebau nicht dazugerechnet).

miamara, 14.09. 21:08

@maumau 14.09. 17:02
Das kann ich dir leider noch nicht beantworten. Die dafür zuständige ehemalige EU-Vizepräsidentin Kristalina Georgieva ist zur Weltbank gewechselt (per 31.12.2015), von ihrem Nachfolger, Günther Öttinger, habe ich nichts zu dem Thema gefunden.
Das habe ich gefunden: Von der Almosensteuer wurden für Impfprogramme folgende Summen gespendet:
2014: 500 Mio. US-Dollar
2015: 200 Mio. US-Dollar
Ein Sultan Shah of Perak, Malaysien, soll zum expert panel gehören (betrifft aber wahrscheinlich nur das Impfprogramm).

lokivonasgard, 17.09. 07:41

miamara, 14.09. 14:21
"Ich bin überrascht, dass bei der Fertilität ein Rückgang zu beobachten ist und das auch noch über die letzten Jahrzehnte weltweit und in allen Weltgegenden."

Dir kann geholfen werden, schau mal hier:
https://goo.gl/9SX75j

"schneller als angenommen" ist eine relative Formulierung, die insbesondere von den Annahmen abhängt, welche man im Vorfeld getroffen hat.

zurück zur Debatte