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Eiffelturm

Welche Richtung schlägt Frankreich ein?

Der parteilose Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die rechtsextreme Euro-Gegnerin Marine Le Pen gehen Hochrechnungen zufolge in die Stichwahl zur französischen Präsidentschaft am 7. Mai. Wie geht die Wahl aus? Was ändert sich? Welche Richtung schlägt Frankreich ein?

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491 Beiträge

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Beiträge

Narrow margins, little suspense

ukglobal, 21.04. 09:17

Die "Spannung", die besonders britische Medien verspueren wollen, ist im Grunde keine: der naechste Praesident steht fest, und er heisst Emmanuel Macron.

Die einfache Logik: der Linksradikale Jean-Luc Mélenchon, und der durch Nepotismus-Vorwuerfe arg zersauste Republikaner und Ex-Premier François Fillon, liegen eng zusammen im Contest um den undankbaren 3. Platz am Sonntag.

Die Frontrunners Macron und die Fuehrerin des Front National Marine Le Pen liegen ebenso eng zusammen, im Bewerb um Platz 1. Was voellig irrelevant ist, da beide in die entscheidende Wahl im Mai kommen. Und dort ist alles klar: Macron fuehrt mit 65-35 Prozent. Es gilt heute was schon immer galt: das rechtsradikale Lager ist mit 25-30 Prozent an seiner Grenze.

ginkgobiloba, 21.04. 09:19

die Einschätzung dürfte stimmen!

ukglobal, 21.04. 09:20

Viel spannender werden die Parlamentswahlen im Juni sein. Weder Macron noch Le Pen haben eine "Hausmacht" in der Nationalversammlung.

reservebuddha, 21.04. 09:23

Dürfte bis auf den Lapsus "der Linksradikale" stimmen. Er ist links. Das gibt es heutzutage selten.

Es ist tatsächlich wahrscheinlich, dass so jemand wie Macron gewinnt und mit seinen Methoden Frankreich Le Pen noch näher bringt.

ginkgobiloba, 21.04. 09:26

@reserve, nur der "franzöische Hugo Chávez": Jean-Luc Mélenchon kann Frankreich und die EU retten ;-)

ukglobal, 21.04. 09:27

>>reserve
Du weisst eben nicht wofuer Mélenchon steht und androht. Ich sah ihn gestern live im TV (zusammen mit 11 anderen Kandidaten) und wenn auch sein Plan, Frankreich aus der EU zu fuehren durchaus Appeal hat, ist er insgesamt gegen mainstream politics, aber fuer $550 Milliarden neuer Schulden.

ginkgobiloba, 21.04. 09:29

>>ukglobal, das ist alles lange bekannt für was er steht...

Bereits als Schüler im Lycée in Lons-le-Saunier war Mélenchon im Mai 1968 politisch aktiv. Anschließend engagierte er sich im Studentenverband Union nationale des étudiants de France und in der >>>trotzkistischen Organisation communiste internationaliste (OCI)

https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Luc_M%C3%A9lenchon

ukglobal, 21.04. 09:31

>>ginkgobiloba

Ja; seine radikale Vergangenheit wurde auch in den TV Debatten thematisiert. Der Vergleich mit Hugo C. ist gar nicht so weit hergeholt.

ginkgobiloba, 21.04. 09:33

@uk, mit Mélenchon stünde Frankreich das bevor wo Venezuel schon mitten drinnen steht (nur ohne Öl)

ginkgobiloba, 21.04. 09:33

cor. Venezuela

reservebuddha, 21.04. 09:38

"und wenn auch sein Plan, Frankreich aus der EU zu fuehren durchaus Appeal hat, ist er insgesamt gegen mainstream politics, aber fuer $550 Milliarden neuer Schulden."

Das "aus der EU führen" ist so ziemlich das Einzige, was ich nicht in der Form befürworten würde. Alles andere ist eine Politik, die dem radikal-kapitalistischen Chaotenkurs der letzten Jahrzehnte, dem wir die Wirtschafts- und Schuldenkrise zu verdanken haben, genau entgegenwirkt.

ukglobal, 21.04. 09:38

Stimmt; und man muesste sich fragen, was frueher kommt: Mélenchon's Frankreich, das alle Maastricht Kriterien sprengt und disqualifiziert waere als Eurozone-Mitglied (samt drastischen Downgrade), oder ein von Mélenchon initiiertes Referendum fuer FR-exit.

ukglobal, 21.04. 09:40

>>reservebuddha
Du beweist ja sehr oft dass du anderen Laendern nichts gutes wuenscht. Normalerweise waren das immer GB und die USA; nun eben auch Frankreich.

ginkgobiloba, 21.04. 09:40

der Linksradikale Jean-Luc Mélenchon wird den 1. Wahlgang nicht überstehen, andernfalls würde Marine gegen Mélenchon im 2. Wahlgang siegen.

ukglobal, 21.04. 09:44

ginkgobiloba, 09:40
Das ist sehr sehr unwahrscheinlich, waere aber letztendlich ein letztes Glueck fuer die EU, eine Katastrophe fuer Frankreich. Die EU waere am Ende, Frankreich "too strong to die."

reservebuddha, 21.04. 09:45

Dazu muss natürlich bemerkt werden, dass die Maastricht-Kriterien deshalb wackeln, weil die dahinterstehende Wirtschaftsphilosophie grundsätzlich fehlerhaft ist. Eine vernünftige Politik würde die auf lange Sicht sogar sicher stellen, aber die lässt sich nicht auf der Prämisse aufbauen, dass Menschen, denen man immer weniger Geld zum Leben belässt, die Wirtschaft ankurbeln können. Das können sie natürlich nicht, und so führt im Endeffekt jede Maßnahme, die primär darauf abziehlt, Schulden zu verringern, ohne sonstige tiefgreifende Reformen direkt ins griechische Schicksal: Die Konsumenten können die Wirtschaft nicht mehr retten, wenn der Staat ausfällt.

ginkgobiloba, 21.04. 09:47

..." dass die Maastricht-Kriterien deshalb wackeln, weil die dahinterstehende Wirtschaftsphilosophie grundsätzlich fehlerhaft "...

fehlende 5 Jahrespläne?

ginkgobiloba, 21.04. 09:50

Wenn Le Pen oder der Linksradikale Jean-Luc Mélenchon gewinnt dann setzt die >>Beschleunigung des Prozesses ein welcher der Euro auch ohnedies vor sich hat. In der gegenwärtigen Form wird der Euro nicht von Dauer sein können.

ukglobal, 21.04. 09:51

>>reservebuddha 09:45

Es geht hier nicht um Maastricht Kriterien, sondern die Gefahr einer Mélenchon Praesidentschaft (die auch totals Chaos in der Nationalversammlung ausloesen wuerde, er also ein "lame duck president waere)

reservebuddha, 21.04. 10:14

"fehlende 5 Jahrespläne?"

Willst diskutieren oder spielen?

"Es geht hier nicht um Maastricht Kriterien, sondern die Gefahr einer Mélenchon Praesidentschaft (die auch totals Chaos in der Nationalversammlung ausloesen wuerde, er also ein "lame duck president waere)"

Das wäre immer noch besser als jemand, der in völliger Verkennung der Zusammenhänge in einer Zeit, in der die Massenkaufkraft sinkt, diese durch "Arbeitsmarktreformen" noch weiter nach unten drückt.

ginkgobiloba, 21.04. 10:30

"Die Wochenarbeitszeit soll auf 32 Stunden verringert werden, der Jahresurlaub für Arbeitnehmer um eine Woche auf sechs Wochen verlängert"
https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Luc_M%C3%A9lenchon

. ... das wird sicher die "Massenkaufkraft" stärken ;-)

ginkgobiloba, 21.04. 10:39

Auch Laurent Berger, Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes CFDT, kritisierte Mélenchon für dessen „ziemlich totalitäre Vision“ und Bewunderung für das chavistische Venezuela. Er selbst teile „so gut wie keine“ Position mit Mélenchon (wiki)

ukglobal, 21.04. 10:42

Sowohl in den US-Wahlen als auch in der Brexit Abstimmung lagen die Voraussagen sehr exakt.

Zum Kennenlernen eines politischen Thrillers empfehle ich die Serie "Les Hommes de l'ombre" ("Spin"). Die Parallelen zur aktuellen Situation gelingt der Serie seit 2013 erstaunlich gut.

reservebuddha, 21.04. 14:39

""Die Wochenarbeitszeit soll auf 32 Stunden verringert werden, der Jahresurlaub für Arbeitnehmer um eine Woche auf sechs Wochen verlängert"
https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Luc_M%C3%A9lenchon

. ... das wird sicher die "Massenkaufkraft" stärken ;-)"

Selbstverständlich wird es das, weil die Arbeitsstunde teurer wird, und somit arbeitende Menschen mehr Geld erhalten. Dass die umgekehrte Strategie - die Arbeitsstunde billiger und billiger zu machen - nicht funktionieren kann, und in der Tat auch nicht funktioniert, weiß man seit Jahrzehnten.

maxheadroom, 21.04. 19:01

@reservebuddah,
"Selbstverständlich wird es das, weil die Arbeitsstunde teurer wird, und somit arbeitende Menschen mehr Geld erhalten."
Und das bei gleichzeitiger Reduzierung der Wochenarbeitszeit - als Mathematikgenie wird @rb wohl kaum Bekanntheitsgrad erlangen.

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